Mega: Der wahre Feind der Übersportler

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Natürlich kann man sich auch einen Ferrari, Koenigsegg, Pagani, Yes! oder Marcos kaufen. Wenn es aber nicht nur darum geht, jede Menge Blicke auf sich zu ziehen, sondern dabei auch statt kaltem Neid nur warme Sympathie zu spüren sein soll, wäre vielleicht der Mega die bessere Wahl. Trotz des Namens geht es nicht um einen weiteren Über-Sportwagen, sondern um einen Klein(st)transporter. Und der ist einfach nur knuffig. Und sinnvoller als die zugegeben potente Konkurrenz ist er auch – zumindest dann, wenn die Gründung der Ich-AG gerade Vorrang vor dem ganz großen Auftritt an der Eisdiele hat.

Es muss der Beschützerinstinkt sein
Was treibt auch bekennende Anhänger der Sportwagenfraktion dazu, sich plötzlich nach einem Nutzfahrzeug umzusehen? Es muss der Beschützerinstinkt sein: Der Mega ist so klein, so niedlich, er schaut so unschuldig in diese böse, irgendwie übermotorisierte Welt. Und praktisch ist er ganz nebenbei auch. Die Karosserie ist – wie bei einigen der schnellen Brüdern – aus ABS, sie sitzt auch einem Vollaluminiumgestell. Gebaut wird der Mega in Frankreich.

Schon die detailverliebte Aufzählung der Grundausstattung des kleinen Gefährten erinnert an die etliche Jahrzehnte zurückliegende Zeit, als bei britischen Herstellern auch eine Heizung als Extra geordert werden musste: Diebstahlsicherung, 2-Stufen Scheibenwischer, elektrische Scheibenwaschanlage, Warnblinkanlage, Automatiksicherheitsgurte, Rückspiegel links und rechts, getönte Scheiben, Motorschalldämmung, Innenraumbeleuchtung bei Türöffnung, Aschenbecher, Zigarettenanzünder, Sonnenblende, abschließbarer Tankdeckel, Gummimatten, Radzierkappen. Und: eine dreistufige Heizung ist auch schon dabei. Das nennt man dann wohl Komplettausstattung. ABS? ESP? Klimaanlage? Fehlanzeige, auch als Extra.

Wenig Spielraum bei der Ausstattung
Während es bei der Ausstattung also wenig Spielraum gibt, spürt der Kaufwillig bei Modell und Motorisierung schon fast so etwa wie die Qual der Wahl. Drei Motoren und fünf Grundmodelle mit zwei Kabinenvarianten stehen zur Wahl: Pritsche, Tiefladepritsche (Pickup), Kipper, Kasten und Verkaufsfahrzeug. Für Sonderaufbauten empfiehlt sich das Mega-Chassis, als das Fahrgestell mit Führerhaus. Der Mega 600 mit der gewölbten Schnauze hat dabei optisch deutlich weniger Charme als der kleine 500er.

Bei der Motorisierung ist eine Grundsatzentscheidung zu fällen: Soll es ein Elektro- oder Dieselmotor sein? Der Elektro-Mega erreicht immerhin eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Km/h und hat eine Reichweite von 60-80 Kilometern – je nach Batteriepack. Die Alternativen: Einer der beiden Dieselmotoren, die vom Kommunaltraktoren-Hersteller Kubota zugeliefert werden. Der kleinerer beschleunigt den Minitransporter auf bis zu 45 km/h. Der mehr als doppelte so starke zweite angebotene Diesel treibt den Mega mit satten 9,5 KW sogar bis auf 70 km/h.

Die Zuladung ist begrenzt
Abhängig von Motorisierung und Aufbau ist die Zuladung allerdings begrenzt: Sie liegt zwischen 275 und 450 Kilogramm. Zieht man davon das Gewicht von zwei Personen ab, dann bleibt nicht mehr viel für die Nutzlast über. Aber der Raum dafür ist ja ohnehin nicht unbegrenzt. Die Maße des Mega sind nämlich alles andere als gigantisch: Knapp drei Meter lang, gut eineinhalb Meter breit und um die 1,8 Meter hoch. Das Ladevolumen beträgt so um die drei Kubikmeter.

Ohnehin: Im Grunde ist der Mega weniger ein Last- als ein Werbe- und Sympathieträger. Deshalb haben zumindest Kommunen und Institutionen die Chance, einen Mega kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen. Die Konzepthaus Gesellschaft refinanziert die Fahrzeuge über Sponsoren und Werbepartner. Und mit Elektromotor verbreitet der Mega dann auch noch das ökologisch korrekte Image.

Preisliste beginnt bei gut 10.000 Euro
Wer lieber selbst bezahlt: Die Preisliste für den kleinen Franzosen beginnt bei gut 10.000 Euro. Der Verbrauch liegt bei 3,5 bis 4 Litern Diesel. Das Finanzamt fordert im Jahr 56 Euro Steuern, die Vollkasko belastet den aufstrebenden Jungspediteur mit rund 400 Euro im Jahr. Daran sollte die Ich-AG nicht scheitern.

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Über den Autor

Frank Wiebrock
Frank Wiebrock
Frank Wiebrock, Jahrgang 1962, schreibt seit Anfang der 90er Jahre für Tageszeitungen und arbeitet seit 2000 für NOZ Digital.

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